Beim Hexer

Gestern war ich zum Essen eingeladen – und zwar nicht einfach so nullachtfünfzehn! Wir waren beim Hexer (https://www.stefanwiesner.ch).

Ein Erlebnis der besonderen Art! Zuerst die Reise nach Escholzmatt durch das gestern ziemlich trübe Entlebuch. Und dann das Rössli: Irgendwie in den 70ern des letzten Jahrhunderts stehen geblieben.

Apero gabs draussen.

Kohlenfondue, auf Kohlenbrot mit Kohlensenf – und dazu Glühmost. Alles etwas schwarz. Aber fein.

Dann ging es nach drinnen. Ok – die Tische waren wirklich etwas moderner. Aber die Beiz an und für sich war ziemlich geschmacklos eingerichtet. Aber es ging ja nicht ums Schauen sondern ums Essen 😉

Der erste Gang war Heusuppe.

Und wo ist die Suppe? Unter dem zertifizierten(!) Emd (nicht etwa Heu – also müsste es eigentlich Emdsuppe heissen. Aber wir wollen nicht pingelig sein).
Genossen wurde die Suppe durch einen Strohalm (ein Heu- bzw. Emdhalm wäre wohl zum dünn!).

Zu erwähnen wäre noch: Jeder Gang wurde mit einer ausführlichen Geschichte und Beschreibung der Zutaten und der Zubereitung eingeführt. An der Auftrittskompetenz könnte der Herr Wiesner noch etwas arbeiten – aber es war sehr unterhaltsam. Steine kann man kochen, bzw. den Fisch in einem Steinsud (die darauf abgelagerten Algen geben den richtigen Gout). Neben vielen anderen Zutaten war auf dem schönen Steinteller auch Steinmehl – das man essen konnte.

Unten im Töpfchen ist der Steinsud (inkl. Kieselsteine), links der Steinkaviar (Molekularküche), Algensosse, die Bachkresse, das gebackene Moos und das Sandcrumble.

Der nächste Gang: Feuerranden. Verkohlte Randen (haben trotz Kohle gut geschmeckt) sowie Randen und die Blätter in diversen Variationen.

Die marinierten Randenblätter oben drauf.
Fermentierte Randen.

Und dann die Rehwurst mit pürierten Steinpilzen – mit gebratenem Lebkuchen (wer kommt auf so eine Idee!?). War aber auch überraschend fein in der Kombination.

Die weissen Körner oben drauf waren in flüssigem Stickstoff gefroren und dann zerhämmerte Bromberen 😉

Und dann die Käsewagen. Den 16-jährigen Käse, den er bei der Räumung einer längst aufgegebenen Käserei aus der Muld gerettet hat, haben wir nicht probiert (“dä fahrt so richtig y!”). Auch hier: Der schwarze ist Kohlenkäse (irgendwann war doch überall das Thema, dass verbranntes Essen krebsfördernd sei … aber wir gehen ja nicht jeden Tag beim Hexer essen!).

Warum der zweite von recht “Incarom” heisst, hat sich mir auch mithilfe der Rede zum Käse nicht ganz erschlossen.

Desssert 1: Holzglasse (wenn man Holz auskocht, braucht man keine Vanille – Holz hat immer eine Vanillenote).

Arvenholzglace mit gerösteten Arvennüsschen, gebackenen Arvennadeln und süss-sauren Baumflechten.

Und zum Kaffee (den wir weggelassen haben) gab es Torferde-Schokolade. Wer nicht weiss, was auf dem Foto zu erwarten ist, könnte auch auf die Hinterlassenschaft eines Hundes auf dem Trottoir tippen. Aber auch dieses Schoggimousse (also so eine Art) hat geschmeckt.

Alles in allem ein Supererlebnis. Sehr spannend, was man alles essen und kombinieren kann. Und die verschiedenen Kombinationen waren teilweise überraschend – aber auch überraschend schmackhaft.

Und hier noch das vollständige Menü.
Author: hans-pi

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