In der Nacht fuhren wir wie angekündigt mit dem Bus nach La Paz. Eigentlich war das ein ganz luxuriöser Bus mit Sitzen, die man ziemlich weit nach hinten kippen konnte, mit Kissen, Decke, Nachtessen, Frühstück. Ich hätte auch wunderbar geschlafen, wenn nicht die Heizung gespukt hätte. Es war zwischendurch Sauna. Bis wieder jemand reklamieren ging und es dann für ein Weilchen besser ging.
Etwas unausgeschlafen sind wir angekommen und per Taxi in unser Airbnb gefahren. Wir konnten zum Glück früh rein. Dummerweise habe ich gleich die Gasheizung geschlissen, sodass wir nun nicht heizen können.
Wir waren nur kurz in der Wohnung, weil wir es diesmal besser machen wollten als in Sucre, wo wir die Free Walking Tour erst am Ende machten. Und es war genial. Daniel hat viel schauspielerisches Talent und kann extrem gut Geschichten erzählen. Seine Führung stand auch unter dem Motto „extreme Geschichten“.
Angefangen hat es bei den Präsidenten und der Politik. Es würde zu weit führen, wenn ich das hier alles aufschreiben würde. Ich weiss leider auch schon nicht mehr alles. Aber es war sehr eindrücklich. Auch aus seiner Sicht war der Putsch letzten Monat inszeniert wegen der Wahlen 2025.
Dann standen wir vor dem Gefängnis, das in einem ehemaligen Kloster untergebracht ist. Das wird nur von aussen bewacht. Wer eingesperrt wird, muss Eintrittsgeld bezahlen (echt!). Drinnen ist alles selbstverwaltet – von den Häftlingen. Sie haben acht Abteilung in denen die 2000 Häftlinge (gebaut wäre es für nur 300) aufgeteilt sind. Je nach Reichtum logieren die Inhaftierten dort sehr feudal mit Einzelzelle, Fernseher, … Die Häftlinge dürfen auch ihre Familie mitnehmen. Die Kinder gehen dann tagsüber in die Schule, die Frauen arbeiten. Wann man in der ärmsten Abteilung landet, muss es grauenvoll sein.
Reingeschmuggelt wird das Coca-Basis-Produkt. Dort drin wird es verarbeitet und als Kokain wieder rausgeschmuggelt. Offenbar, indem sie es zum Beispiel in schmutzige Windeln verpacken und über die Mauer schmeissen. Deshalb soll man ja nichts aufheben, was dort rumliegt, weil man es sonst mit der Drogenmafia zu tun bekommt.
Alle wissen das – niemand spricht darüber.
Eine zeitlang konnte man Touristentrips in das Gefängnis buchen. Es kamen aber nicht alle wieder raus oder dann nur gegen viel Geld.
https://www.youtube.com/watch?si=3V-evY9BgDjNgH8Y&v=7dhrQ6PCUPw&feature=youtu.be
Dann fuhren wir mit einer der vielen Seilbahnlinien in den oberen Stadtteil. Dort war ein Markt, wo die Cholitas ihre Waren anboten. Sie leben in der Stadt und verkaufen das Gemüse, das ihre Männer auf dem Land anbauen (die würden den Erlös sonst gleich versaufen). Cholitas nennt man die Mischlingsfrauen (Indigenas – Spanier). Sie sind erkenntlich an ihren vielen Röcken und dem typischen Hut. Daniel nannte sie „wirkliche Feministinnen“, weil sie so selbstbewusst und selbstbestimmt leben. Wir hatten immer das Gefühl, dass die Cholitas die indigenen Bolivianerinnen sind. Stimmt eben nicht. Die Indigenas kleiden sich nicht so.
Dann gingen wir über den Hexenmarkt. Hexe oder Hexer wird man, wenn man vom Blitz getroffen wurde und entsprechende Male vorweisen kann oder wenn (Mutter Erde) sie sonst mit einem Mal gezeichnet hat. Sie lesen die Zukunft aus Cocablättern und geben einem eine Liste mit, was man in den Opfergeschäften gegenüber alles kaufen muss. Wenn man mit den Sachen zurückkommt, dann opfern sie das nach ganz bestimmten Ritualen.
Wer ein Haus bauen will, muss zuerst ein einen Lamafötus (ein kleines Haus) ein junges Lama (grosses Haus) oder einen Menschen (sehr grosses Haus) in einem Ritual von einer Hexe oder einem Hexer auf dem Bauplatz vergraben. Die Tiere müssen selbst sterben, also zu Pachamama gegangen sein. Die Menschen würde man bei den hoffnungslosen Pennern suchen, sie verwöhnen (Essen, Trinken, Sex) und mit Alkohol soweit bringen, dass man sie mit dem Gesicht nach unten vergraben kann.
Das mit den Menschen sie schon lange verboten – aber 70 % der Bolivianer glauben, dass das noch immer gemacht wird.
Den Nachmittag verbrachten wir mit Gondelbahnfahren. Wir gingen zuerst auf einen Aussichtshügel. Und dann machten wir eine Rund. Die Bahnen sind alle von Österreichern zusammen mit Schweizer Firmen gebaut. Richtig grosse Terminals, in denen die einzelnen Linien verbunden sind. So kommt man schneller voran als in den rund um die Uhr verstopften Strassen. Ausserdem ist es sehr spannend, die Stadt aus allen Blickwinkeln von oben zu sehen.
Jetzt haben wir noch eine Wäsche angeworfen und gehen dann bald noch was essen. Und dann sicher früh schlafen.



















Lieber Hans-Peter sooo interessant und anschaulich schreibst du,danke viel-vielmal,Ich lese das so gerne ,auch die Bilder sagen so vieles aus,das ich nicht kenne,Ich wünsche euch noch viel Schönes und Gutes und schicke euch herzliche Grüsse Mueti
Spannend, eure Eindrücke, Blogbeiträge und Posts! Lesen und schauen gerne mit.
Gute Weiterreise
Dora u Ruedi